Wie duftet MANHATTAN?

Bond No 9

Laurice Rahmé ist Erfinderin der Kultdüfte „Bond No9″, die das Flair von New Yorker Stadtteilen einfangen wollen. Mindestens genauso spannend: Sie hatdie erste westliche Kosmetik im Orient eingeführt.

Das war knapp. Nur um Haaresbreite entkam die Französin Laurice Rahme bei ihrem ersten Besuch im Orient dem Harem. Da war sie jung, hübsch und sehr naiv, wie sie heute weiß. Koffer und Ausweis hatte ihr ein netter Herr im Burnus am Flughafen abgenommen. Der vermeintliche Helfer bei den Einreiseformalitäten in Saudi-Arabien war allerdings ganz und gar kein Gentleman, sondern ein Späher, der Frauen für seinen Scheich suchte.

Aufmerksame Sicherheitspolizisten vereitelten die Entführung in letzter Sekunde. So sitzt Laurice Rahme heute nicht hinter Palastmauern, sondern höchst vergnügt in einer Brasserie in Manhattan und erzählt von ihren Anfängen im Beauty-Business. Inzwischen ist sie Mitte 50 und nicht die Spur naiv. Laurice Rahme ist die Frau, die vor fünf Jahren in den Vereinigten Staaten das Parfüm-Label „Bond No9″ gegründet hat und seitdem unter diesem Namen New Yorker Stadtteile höchst erfolgreich in raffinierte Düfte umsetzt. Der Höhepunkt einer Beauty-Karriere, die mit dem Verkauf von Kosmetik für das französische LuxusLabel Lancome im Orient begann. „Ich habe für das Unternehmen die arabische Welt erobert”, sagt sie und lacht, wenn sie an ihre Anfängerfehler denkt. Nach ihrer Beinahe-Entführung schlüpfte sie noch auf dem Flughafen in die landestypische Frauentracht und übernahm von nun an ihre kosmetische Aufklärungsmission genauso tief verschleiert wie ihre Kundinnen. Und musste bei Null anfangen: „Eine komplexe Gesichtspflege mit aufeinander abgestimmten Produkten war den Frauen völlig neu”, erzählt Laurice. Sie tingelte durch die Apotheken im Souk, wo die Produkte verkauft werden sollten. „Die Kundinnen kamen nur unter männlichem Schutz in die Geschäfte.” Dann fing das große Palaver an. Die Begleiter gaben die Wünsche der Frauen an den Apotheker weiter, der dann an die Beauty-Beraterin von Lancome. Und umgekehrt. Laurices größtes Problem in dieser Kommunikationskette: „Wie sollte ich die Frauen effektiv beraten, wenn ich mir keinen Eindruck von ihrem Hautzustand machen konnte?” Mit viel Geschick brachte sie schließlich die Männer dazu, den Frauen zu gestatten, ihren Schleier am Kinn in einer diskreten Ecke des Ladens ein Stückchen zu lüften. Viel erkennen konnte Laurice Rahme da allerdings immer noch nicht: „Durch den Schleier sah ich etwa so viel wie durch eine sehr dunkle Sonnenbrille.” Also besorgte sie sich eine Speziallampe und brachte so endlich Licht ins Dunkel. „Viele Frauen hatten eine Problemhaut. Sie überschminkten sich immer wieder, ohne das vorherige Make-up zu entfernen”, erinnert sich Laurice. „Das Klima ist heiß, die Schleier sind dicht. Es kommt wenig Sauerstoff und kaum Licht an die Haut. Sie war häufig fahl oder litt unter Akne.” Also erklärte sie erst einmal die in Frankreich übliche Reinigung: Cleanser auftragen, verteilen und mit einem mit Gesichtswasser getränkten Wattebausch entfernen. Kaum hatte sie das gezeigt, war der Protest groß: Ein Reinigungsritual ohne Wasser ist für eine gläubige Muslimin undenkbar! Also flog Laurice Rahme nach Paris zurück, kaufte 20 Exemplare des Koran und schenkte sie den zuständigen Produktmanagern. Auf der beiliegenden Grußkarte bat sie sie, das Buch zu lesen und ihre Kosmetikkonzepte künftig den vorherrschenden Sitten anzupassen. Das Reinigungsritual wurde tatsächlich geändert – und der von Laurice erwartete Ärger blieb aus.

Sie grinst noch 30 Jahre später über ihren Mut und ihre Energie. Die Macher in Paris setzten jedenfalls schon bald auf Laurices Erfahrungen und ließen sie machen. „In Kairo und Amman war meine Arbeit beinahe ein Kinderspiel. Die Kundinnen waren sehr aufgeschlossen und offen für Kosmetik. Das war allgemein so, sobald die anfängliche Distanz überwunden war. Geld spielte dann meist auch keine Rolle mehr.”

Pflege zu verkaufen war die Pflicht, dekorative Kosmetik die Kür. „Die Frauen Arabiens lieben es, sich zu schminken. Und ich liebe es zu malen.” Das sprach sich herum wie ein Lauffeuer. Und so landete Laurice Rahme dann doch noch in einem Harem. Höchst offziell wurde sie eingeladen, den Damen dort die neuesten Makeup-Trends zu präsentieren. In den Palästen wurde eine Kabine für sie eingerichtet, um die Prinzessinnen zurechtzumachen, mit dunklen, starken Farben und viel Kajal. Ein Vertrauensbeweis, auf den Laurice auch im fernen New York heute noch richtig stolz ist. ANGELIKA RICARD-WOLF

Unter dem Namen „Bond No9″, der Adresse ihrer ersten Duftboutique im New Yorker Stadtteil Noho, verkauft Laurice Rahme Parfüms. Alle heißen nach Orten in Manhattan. „Ich wollte, dass New York sein Flair zurückbekommt”, erklärt Laurice Rahme ihren Entschluss, sich nach dem 11. September 2001 mit einer Parfümlinie selbständig zu machen. Sie engagierte international renommierte Parfümeure und gab ihnen freie Hand, den Charakter der Stadtviertel einzufangen – inzwischen gibt es 24 verschiedene. Die Einheitsflakons erinnern an Menschen mit ausgebreiteten Armen.

Zu der berühmten Kollektion von Bond No. 9 gelangen Sie HIER!

Dieser Artikel wurde am 10.März 2008 von Essenza Nobile verfasst.
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