Dr. Erno Laszlo – Ein Pionier der Hautpflege

Dr. Erno Laszlo wurde in Ungarn geboren. Er studierte in Budapest, Berlin und Wien Dermatologie und ließ sich anschließend als Arzt in seiner Heimat nieder. Seine Karriere als „Engel der Schönheit“ begann durch die Hilflosigkeit eines Kollegen, der ihn in einem Fall zu Rate zog. Es handelte sich um eine Dame aus dem Hochadel, die so furchtbar unter ihrem Aussehen litt, dass sich ihr Hofarzt nicht mehr zu helfen wusste. Nach einer ersten Visite bemerkte Laszlo, dass der königlichen Haut aufgrund ihrer unglücklichen Lebenssituation jegliche Strahlkraft abhanden gekommen war und so entwickelte er speziell für sie, die sich partout nicht schminken wollte, ein Make-up, das die Haut nicht überdeckte sondern den natürlichen Teint zum Strahlen brachte.
Das neuartige Make-up erzielte so erstaunliche Ergebnisse, dass der junge Arzt in Windeseile landesweit als Wunderdoktor bekannt wurde. Klientinnen aus ganz Ungarn und wenig später auch aus ganz Europa standen bei dem Hautverbesserer Schlange, um ihrer Schönheit auf die Sprünge helfen zu lassen. Damit war der Grundstein für die dermatologisch fundierte Kosmetik gelegt.
Laszlo erkannte schnell, dass die Schönheitsbehandlung der Haut eine Mischung aus Physiologie, Psychologie und Philosophie sein musste. Ausgestattet mit einem ausgesprochenen Sinn für Ästhetik und einem Gespür für die Bedürfnisse seiner Kundinnen, eröffnete er 1927 sein Institut für wissenschaftliche Kosmetik, in dem die europäische High Society ein und ausging. Einfühlsam lauschte er den Problemen seiner Kundinnen, um ihnen anschließend speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Produkte mit einer exakten Gebrauchsanweisung zu übergeben. Hielt sich eine Kundin nicht an seine Anweisungen, behandelte er sie nicht weiter.
Durch die Strenge Kontrolle des Behandlungsverlaufes, verbesserte er stetig seine Forschung und damit die Wirksamkeit seiner Präparate. Um auch den Frauen helfen zu können, die ihn nicht persönlich aufsuchen konnten, entwickelte Laszlo einen ausgefeilten Fragenkatalog, der es ihm ermöglichte dein Ferndiagnose zu erstellen und die geeigneten Präparate zu verschreiben. Daraus entwickelte sich das erste Versandunternehmen für Schönheitsprodukte.

Nach einem Besuch in den USA 1937 war Laszlo so begeistert von New York, dass er sich zwei Jahre darauf entschloss, seinen Wohnsitz für immer dorthin zu verlegen. Noch bevor er die Pforten seines neuen Instituts öffnete, gab es bereits Anwärterinnen, die es kaum erwarten konnten, sich von dem „Engel der Schönheit“ behandeln zu lassen. Mit Erschrecken stellte Laszlo fest, dass es bei den Damen der New Yorker High Society regelrecht verpönt war, sich das Gesicht mit Wasser und Seife zu waschen, was bei allen zu Hautirritationen führte. Er entwickelte ein Waschritual, das sogenannte Splashing, dass die feinen Damen unter seiner Aufsicht einüben mussten. Kernbestandteil seiner Arbeit wurde das Clocking: Laszlo kam auf die Idee die Ergebnisse seines Fragebogens in Uhrzeiten anzugeben. 8.30 Uhr stand für „sehr trocken“, 12 Uhr für „normal“ und 15.30 Uhr für „sehr ölig“. Dazwischen gab es feine Abstufungen.
Als Laszlo dem Ansturm auf sein Institut nicht mehr Herr wurde, gründete er 1951 die Erno Laszlo Gesellschaft. Jetzt wurde nicht mehr jedes einzelne Produkt von Hand angerührt sondern in einem Pharmakonzern unter seiner strengen Aufsicht produziert und in ausgewählten Einzelhandelsgeschäften vertrieben. Wer seine Produkte erwerben wollte, musste erst Mitglied der Erno Laszlo Gesellschaft werden und sich einer Hautanalyse unterziehen. Danach wurde er mit einer Mitgliedskarte ausgestattet, in die seine „Uhrzeit“ eingetragen wurde. Der Berater im Einzelhandel vergab dann die genau für diesen Hauttyp erstellten Produkte und die dazugehörigen Anweisungen. Die Anzahl der Mitglieder wurde begrenzt, was dem Unternehmen den lukrativen Nimbus von Exklusivität verlieh.
Zu seinen Kundinnen gehörten Greta Garbo, die später eine enge Freundin wurde, Cecil Beaton, Truman Capote, Audrey Hepburn und Hubert de Givenchy. Als Zeitungen Bilder von Marilyn Monroes Totenbett veröffentlichten, standen dort auf dem ganzen Nachttisch Erno Laszlo Präparate. Auch Sting, Madonna, Barbara Streisand, Woody Allen und Yoko Ono zählen zum erlesenen Kundenkreis.
im Original: Judith Eckfelder auf Vogue.de
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